Die Reise zu einem Wettkampf in Übersee ist immer etwas besonderes, da freut man sich wie ein kleiner Junge auf seinen ersten Urlaub. Doch von Urlaub kann bei zwei Wochen Höhentrainingslager mit fünf Weltcuprennen nicht die Rede sein, denn diese zwei Wochen sind ein weiterer Baustein auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2006 in Turin.
Am 03.Dezember ging's mit dem Flieger über Calgary und Kalowna nach Silverstar Mountain, nach 24 Reisestunden erreichten wir ein kleines verschlafenes Dorf auf 1600m Höhe. Die erste Nacht begann eigentlich 6.00Uhr morgens, denn wir sind ganze neun Stunden zurück. Die innere Uhr kommt da ganz schön durcheinander, so endete die erste Nacht auch schon 4.30Uhr. Auf dem Weg zum Frühstück stellte ich fest, es müsste eigentlich heißen: „ Ein kleines buntes Dorf auf 1600m Höhe.“ Denn es gibt hier für Neubauten die Auflage, mindestens drei verschiedene Farben für den Außenanstrich zu verwenden. In Deutschland hätten die Leute vom Amt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, aber so hatte man gleich eine Filmkulisse für „Alice im Wunderland.“
Die ersten Trainingstage liegen nun hinter uns, die Höhenanpassung vollzieht sich peu à peu und auch die Nacht wird langsam zu einer erholsamen. Wenn man möchte, kann man vier bis fünf Stunden am Stück laufen ohne ein Haus oder einen Baum doppelt zu sehen, bei - zwölf °C und ‚Powder’, wie es hier heißt, ein Traum für jeden Skilangläufer. Okay, auch die Alpinen und Snowboarder würden auf ihre Kosten kommen. Die Stecken sind typisch für nordamerikanische Verhältnisse, sechs Meter und breiter, da unterliegt man nicht selten einer optischen Täuschung. Die Anstiege erscheinen einem flacher, als sie wirklich sind, und zusammen mit der Höhe merkt man dann schnell: „Steiler, als es aussieht!“
Die Bronchitis habe ich gut überwunden, wenngleich ich noch Antibiotika nehmen muss. Der bei mir festgestellte Bakterienstamm erwies sich als ein sehr resistenter. Seit gut einer Woche stehe ich wieder auf Ski und versuche in die Gänge zu kommen, denn in sieben Tagen rostet man ziemlich ein. Ich werde, wie schon zu Saisonbeginn, die Wettkämpfe nutzen um in Schwung zu kommen. Der Pursuit über 30km am Samstag wird also seit drei Wochen mein erstes Rennen sein, die weitere Einsatzplanung erfolgt dann in Absprache mit den Trainern. In Canmore nächste Woche werde ich sicher noch zwei der drei Wettkämpfe absolvieren, denn über Weihnachten werden wir keine Rennen laufen. Der erneute Jetlag und die Höhenrückanpassung verlangen nach dosiertem Training in den ersten Tagen nach unserem Aufenthalt in Kanada. Auf Canmore freue ich mich übrigens besonders, denn 1997 erlebte ich dort meine erste Juniorenweltmeisterschaft, mit den Plätzen sechs, sieben und neun eine sehr erfolgreiche, denn ich hatte damals noch zwei weitere vor mir.
Ansonsten hoffe ich, dass wir hier guten Sport bieten können. Ich würde mich freuen, wenn Ihr zuschauen würdet.
Bis bald Axel


