Zitat: Steinreich - Kletter- und Boulderführer Thüringen
Nachdem die Saison 2007/2008 sportlich gesehen eher im Mittelmaß endete und die Hallenklettersaison viel versprechend im März ihr Ende fand, die Kletterform stimmte und Motivation für neue Wege da war, reifte recht schnell der Gedanke, Wunsch und Traum vom ersten Achter am Fels.
Doch welche Route wählen, eine der neuen Technorouten vom Monte Arturio oder Hülloch, dem neuen Klettermekka in Thüringen!? Hier gelangen mir schon die ersten Vorstiege mit Puta und Blueberry Hill im glatten Siebten Grad. Nein ein traumhafter Blick ins Tal, Richtung Werra und Rhön, sollte es sein. Die Wahl fiel auf Jolly Joker 8 an den 12 Aposteln.
Bis dato hatte ich Sportklettern eher als motivierende sportliche Nebenbeschäftigung betrieben, nun waren Motivation und sportliche Vorbereitung von Nöten, um einem Kletterprojekt den Durchstieg am scharfen Ende des Seils abzuringen. Vor 2-3 Jahren waren Topropeversuche kläglich gescheitert, die Griffe und Tritte schienen winzig und klein. Es sollten 3 Tage der Vorbereitung folgen, inklusive des obligatorischen Abwurfes vor dem Ausstiegshenkel.
Nach dem das Frühjahr wettertechnisch eher im Mittlmaß endete, fand ich im Sommer endlich einen Tag für mein Projekt. Mit Marko ging’s hinauf zum Dritten der 12 Apostel und im Toprope unternahm ich die ersten Kletterversuche im leicht überhängenden Gelände. Die Leisten, Unter- und Seitgriffe boten mir zum ersten Mal wirklich Halt und die kleinen Tritte hielten unter meinen neuen Klettersohlen. Mit einem guten Gefühl, in Händen, Füßen und Kopf, machten wir uns auf den Heimweg.
Zwei schöne September Tage nutzten wir für die Besuche Zwei und Drei, nun hieß es Bewegungssequenzen aneinander reihen und ein Gefühl für diese bekommen. Mir war jedoch völlig unklar, wie ich die gut 12 Meter am Stück klettern sollte und dabei noch Ruhe und Kraft für das Klippen der Zwischensicherungen finden soll. Der dritte Besuch im Felsenlabyrinth am westlichen Bergrücken der Hohen Möst endete mit ersten Vorstiegsversuchen. Bis auf die besagte Crux zu Begin der Route, die mir aufgrund übereifriger Aufwärmübungen an Sechser Touren (mittelschwere Hautverluste an allen 10 Fingerkuppen) nicht gelang, kletterte ich die restlichen Meter sturzfrei.
Am 10.10.2008 sollte es soweit sein, die anstrengenden Feld- und Laufbandtests lagen hinter und 3,5 Tage Ruhe vor mir. Mit Saui, dem Schrecken des Thüringer Porphyrs, denn nur er beseitigt mehr halbfestes Gesteinsmaterial aus knirschenden Routen als ich, ging’s hinauf zum Jolly Joker. Aufwärmen an leichteren Routen, was für ein Quatsch: "Rein in den Achter, geht schon!" waren seine Worte. Die Crux fiel beim Einklettern auf Anhieb und der Gedanke an den erfolgreichen Durchstieg schwebte in meinen Kopf, zum ersten Mal positive Gedanken, kannte ich von mir in der Form noch nicht. Pessimismus statt Optimismus, denn laut Murphy geht ja bekanntlich alles schief, was schief gehen kann, war sonst mein Lebensmotto. Positive Gedanken bis die Hände, wegen der aufgepumpten Unterarme, den Finalen Zug zum entscheidenden Untergriff nicht ausführen konnten und ich erst 2 Meter unter der vorletzten Zwischensicherung im Seil Halt fand.
Der Zweite Versuch noch konzentrierter, noch präziser endete mit einem Freudenschrei und dem Eintrag ins Gipfelbuch auf Paulus dem Dritten Apostel mit meinem ersten Achter! Der Weg war hier das Ziel, nicht der Gipfel, denn den gibt's hier schon für 'nen Zweier!
Berg heil Euer Axel


