Aus der Höhe direkt an den Rhein!
Auf geht es in die Großstadt - aber nicht zum shoppen, sondern zum ersten Kräftemessen im Weltcup in der nun anstehenden Olympiasaison. Auch ich habe wie viele meiner Sportlerkollegen dieses Projekt anfänglich belächelt. Ich dachte auch "Düsseldorf, Großstadt und dann noch im Flachland" - das kann nicht klappen. Tja, da sind wir aber alle schon vom ersten Jahr an eines besseren belehrt worden. Menschenmassen stehen an der Strecke, ein riesiges Spektakel mit großem Rahmenprogramm sorgt für Volksfeststimmung und wir Athleten können auf dem Parcours am Rheinufer unsere Form unter Wettkampfbedingungen testen. Egal ob bei Autogrammstunden oder abends bei der Startnummernvergabe - da ist immer was los. Natürlich muss man sich auf die Wettkämpfe konzentrieren und kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen, aber ich freue mich auf Düsseldorf. Denn es ist wirklich von Vorteil, wenn die Leute einen im Rennen lautstark anfeuern und so für eine prickelnde Atmosphäre sorgen. Und eine größere Menschenmenge werden wir bei einem Wettkampf in diesem Winter wohl nicht mehr an der Strecke erleben.

Natürlich muss ich die eigenen Erwartungen an die Sprintrennen ein wenig niedriger ansetzen. Zum einen bin ich kein ausgesprochener Sprintspezialist und zum anderen kommen wir direkt vom harten Höhentraining am Dachstein und da passt der Termin mit dem Weltcupauftakt nicht hundertprozentig in unsere Wettkampfplanung. Aber schließlich ist es ein Heimrennen und da wollen wir uns vor unseren Fans gut verkaufen. Insbesondere bei den Teamsprints dürfte für uns etwas möglich sein. Ich kann jedenfalls mit den Teamsprints mehr anfangen, weil der Modus so angelegt ist, dass man dreimal läuft und zwischenzeitlich zwei kurze Pausen nach dem Wechsel zum Partner hat. Da tun sich die reinen Sprintspezialisten etwas schwerer, denn diese Wettkampfform betont schon eher die Ausdauerkomponente. Und der Parcours tut sein übriges dazu. Der Schnee war zwar in den letzten Jahren immer recht kompakt, aber der Dreck bremst die Skier doch gewaltig ein. Da kommt man gut ins Schwitzen, wobei die Wärme nicht so viel ausmacht, denn man muss ja keine Thermounterwäsche anziehen oder man macht es so, wie der Sommi im letzten Jahr und läuft in ‚Kurz’.

Ich rechne bei den Sprints eher mit den Skandinaviern, den Italienern und diversen Sprintspezialisten der Langlaufzunft. Topfavorit für mich ist aber der alljährliche Sieger Peter Larsson aus Schweden. Wo wir uns einreihen, wird man sehen. Jochen wird für die Teamsprints jedenfalls die besten Einzelstarter zusammensetzen. Bei unserem Bundestrainer geht es immer nach Leistung. Das finde ich auch gut so.

Ich freue mich schon auf die neue Saison, da weiß man endlich, wofür man sich die vergangenen Monate geschunden hat. Wie z.B. bei den Dachsteinlehrgängen im September und Oktober, diese sind immer ein Highlight in Sachen Quantität und Qualität. Wir haben wie in den vergangenen Jahren auch bei Monika auf dem Bauernhof gewohnt und sind jeden morgen mit der Gondel hoch auf 2700 Meter gefahren. In so einer Woche kommen gut 450-500 Kilometer zusammen. Der Schwerpunkt lag vormittags im Ausdauer- und Techniktraining auf dem Gletscher und nachmittags im Kraftausdauertraining auf Skirollern oder zu Fuß. Dabei wurden die Arme und Beine an kernigen Anstiegen diversen Belastungen unterzogen.

Leider bin ich einer Erkältung zum Opfer gefallen und trotz modifiziertem Training in den letzten Tagen ist es mir nicht gelungen, diese loszuwerden. Nach Absprache mit dem Teamarzt, Jochen Behle und meinem Heimtrainer sind wir zu der Entscheidung gekommen, nicht zu starten. Schließlich ist das langfristige Ziel Olympia in Turin. Dort will ich mir den Traum vom Edelmetall erfüllen, und dazu ist das kommende Trainingslager in Muonio Finnland sehr wichtig. Am Mittwoch den 26.10. fliegen wir für gut 2 Wochen über den Polarkreis hinaus, um uns den letzten Schliff für die Saison zu holen. Dafür muss man hundertprozentig gesund sein, sonst bekommt man den Infekt gar nicht mehr los.

Der Goldenen Ski des DSV, überreicht vom neuen Präsidenten Alfons Hörmann bei der offiziellen DSV Einkleidung, war Auszeichnung für die vergangene Saison und zugleich Ansporn für die kommende Saison. Um diesem Leistungsanspruch gerecht zu werden, hilft es nicht halbkrank oder halbherzig im Weltcup an den Start zu gehen.

Ich werde den Weltcup im TV verfolgen und meinen Mannschaftskameraden die Daumen drücken und zähle auch auf Eure Unterstützung.

Bis bald Axel



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